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Wie alles begann

  Interview mit Anne-Sigrun Wolfram

                                                                                                     (von August 2007)

Frage:
Anne, seit März 2007 leitest du eine Islandpferde – Reitschule in Dresden. Uns interessiert, wie es dazu kam. Wie und wo hast du die Islandpferde für dich entdeckt?

Antwort:
Ich habe die letzten 25 Jahre in Frankreich im Elsass, in dem Örtchen Baerenthal gelebt. Dort gab es einen Islandpferdehof, geleitet durch Lothar Weiland. Auf einer Geburtstagsfeier lud Lothar alle Anwesenden für den nächsten Tag zum Reiten ein. Keiner hatte Ahnung vom Reiten, alle stimmten aber begeistert der lustigen Idee zu.
Der Morgen kam und es regnete in Strömen. Bertrand und ich waren die Einzigen, die erschienen waren. Aber da wir nun schon einmal da waren, erhielten wir bei bestem „isländischen Wetter“ eine Einführung. Danach waren wir völlig durchnässt, erfroren und ich – ich war infiziert. Es folgten viele Reitstunden und Ausritte, ich machte Bekanntschaften mit anderen Islandpferdefreunden und Züchtern und lernte einiges über diese besondere Rasse und deren Vorzüge. Eines Tages kam ein 41/2-jähriger Hengst namens Puki zum Beritt nach Baerenthal. Er war ein schwieriges und ängstliches Pferdchen, aber ich verliebte mich sofort in ihn. Als der Beritt zu Ende war und Puki zu seinem Besitzer in die Dordogne zurück musste, handelte ich ein Vorkaufsrecht aus. Es sollte ein ganzes Jahr dauern (während ich fleißig Reitunterricht nahm, u.a. auch im Saarland und auf anderen Pferden, um immer wieder zu den Isis zurückzukehren), bis endlich ein Telefonat kam: „Willst du ihn immer noch?“ In 0 Komma nix waren unsere Sachen gepackt und 12 Stunden später waren wir in der Dordogne. Wir verbrachten dort 4 Wochen Urlaub und kamen glücklich mit Puki und einem weiteren Pferd zurück.

Frage:
Aber mit 2 Pferden und ohne jede reiterliche Ausbildung ließ sich sicher noch keine Reitschule eröffnen?

Antwort:
Nein, sicher nicht. Seit 1984 beschäftige ich mich mit Pferden, nahm bei bekannten Trainern Unterricht und legte verschiedenste Prüfungen ab. Im Laufe der Jahre verfolgte ich meine Ausbildung mit mehreren Lehrgängen, welche sich unter anderem mit Zucht und Haltung von Islandpferden beschäftigten.

Frage:
Hast du auch mal an einem Turnier teilgenommen?

Antwort:
Ja an mehreren, und zwar mit großer Begeisterung. Sowohl als Starterin als auch als Turnierrichterin habe ich schon eine Menge Erfahrungen gesammelt. Seit 1991 richtete ich in Frankreich regelmäßig offene Sportturniere, internationale Sportturniere und WM – Qualifikationsturniere für Islandpferde aus. Als Jugend- und Sportwartin der FFCI betreute ich mehrere Jahre in Folge die französische Mannschaft bei den Weltmeisterschaften der Islandpferde. (www.feif.org)

Frage:
Zum Hoffest haben wir verschiedene Reitchoreographien zu Musik bewundert.
Sind Islandpferde besonders musikalisch?

Antwort:
(Lacht)
Bevor ich meine Pferdelaufbahn begann, studierte ich Musikwissenschaft, Germanistik und Romanistik / Französisch. Nachdem meine zweite Passion, die Islandpferde, „überhand nahm“, versuchte ich, meine beiden Lieben – die Musik und die Islandpferde miteinander zu verbinden.
Pferde sprechen, genauso wie wir Menschen, sehr stark auf Musik an, was im Unterricht, beim Formationsreiten oder auch beim Schaureiten sehr nützlich, pädagogisch wertvoll und motivierend ist.
Für einen glücklichen Umstand halte ich, dass meine Vorliebe für keltische Musik dem Ursprung der Isländer (u. a. Keltenpony) entspricht.

Frage:
Rennpferde haben das ganze Jahr über einen Stall mit eigener Box zur Verfügung.
Warum fehlt deinen Pferden dieser Luxus?

Antwort:
(Lacht schon wieder)
Was denn für ein Luxus?
Da Pferde Herdentiere sind, im Herdenverband geboren werden und aufwachsen, somit in ihrem sozialen Gefüge Pferdeverhalten lernen, kann auch die schönste Einzelhaltung kein Luxus sein.
Mit diesem Wissen ist es undenkbar, unsere instinktsicheren und naturbelassenen Pferde vor den scheinbaren Widrigkeiten der Freiheit beschützen zu wollen.
Natürliche Unterstände/Stallungen stehen selbstverständlich zur Verfügung, aber wir überlassen es dem Bedürfnis und der Intelligenz der Pferde, diese zu nutzen.

Frage:
Welche Erfahrungen deines Lebens in Frankreich kannst du hier in Dresden weiter geben?

Antwort:
Das Wichtigste ist natürlich, dass ich seit 25 Jahren Erfahrungen im Umgang mit Islandpferden habe. Da in Frankreich die Verbandsarbeit der Islandpferdereiterei jahrelang in den Kinderschuhen steckte, habe ich innerhalb der FFCI (französischer Islandpferde-Dachverband) die Sportordnung entwickelt, also in gewissem Sinne schon Pionierarbeit geleistet. Gern würde ich meine Erfahrungen in Sachsen weiter geben.
Ja und nach so langer Zeit spreche ich die Sprache natürlich fließend. Unter meinen Schülerinnen befindet sich zum Beispiel ein Mädchen, welches französisch spricht. Beim Unterricht auf Französisch lernen die anderen Kinder ganz nebenbei auch ein paar Brocken. Es waren aber auch schon Schulklassen mit ihrer Französischlehrerin hier, um Projekttage fernab des Klassenzimmers durchzuführen.

Frage:
Was gefällt dir an Dresden als Standort für deine Reitschule?

Antwort:
Es gibt vielleicht nicht viele Großstädte, in denen man noch so ein schönes Fleckchen Natur findet, auf dem Mensch und Tier auch mal die Seele baumeln lassen können. Die Reitschule ist leicht zu erreichen, auch für Kinder, die auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind.
Unabhängig von der Reitschule entdecke ich meine alte und neue Heimatstadt mit ihren unzähligen kulturellen Möglichkeiten mit großer Begeisterung aufs Neue.

Frage:
Hast du ein besonderes Credo für deine Arbeit?

Antwort:
Wie bei allen wirklichen Pferdefreunden steht auch bei mir das Pferd an erster Stelle.
Das bedeutet: Überzeugen statt brechen.
Für die Reiter ist mir wichtig, dass der Unterricht nach Alter, Interesse, Neigung und Niveau gestaltet wird. Ich strebe für alle Reitschüler schnellstmögliche Selbstständigkeit und schnelle Erfolge an. Dazu gehört natürlich auch und vor allem, dass ich das Verständnis für das Pferd und sein Wesen vermittle.

Frage:
Wer kann bei dir reiten?

Antwort:
Eigentlich jeder. Unsere jüngsten Reiter sind erst vier Jahre alt, nach oben gibt es keine Grenze.
Die Kleinen brauchen natürlich die Hilfe ihrer Eltern. Viele nicht reitende Eltern können schon sehr gut putzen, trensen, satteln und Pferd führen. (Lacht)
Die einen suchen einfach nur einen Ausgleich zu Schule oder Beruf, andere haben ehrgeizige sportliche Ziele und wollen sich auch auf Turnieren vergleichen. Alle sind herzlich willkommen.

Frage:
Welche Träume und Ziele bezüglich deiner Arbeit in Dresden hast du?

Antwort:
Erstens wünsche ich mir für meine Schüler, die alle mit Begeisterung und Elan bei der Sache sind, bestmögliche Lernerfolge.
Zweitens braucht die Reitschule eine Ovalbahn, um unsere Disziplin des Gangreitens bestmöglich ausbauen zu können.
Drittens an großen Veranstaltungen wie Wander- und Distanzritten, sowie Turnieren mit meinen Schülern teilnehmen. Wenn alle nötigen Erkundungen der Umgebung und Möglichkeiten gelaufen sind und auch die Ausstattung der Anlage es erlaubt, möchte ich selbst solche Veranstaltungen organisieren bzw. ausrichten. Es gibt in Sachsen etablierte Islandpferdehöfe und -vereine sowie einen Landesverband des IPZV, mit denen ich gern in Kontakt treten und zusammen arbeiten möchte. Vielleicht noch ein Geheimtipp: Musik- & Formationsreiten können wir ganz gut, es ist pädagogisch wertvoll und macht enorm großen Spaß. (lacht)

Dafür wünschen wir dir auf jeden Fall viel Glück, Kraft und Erfolg.
Danke für das Gespräch.

Das Interview wurde von Jule und Claudia geführt

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